Parler-Gymnasium · Schwäbisch Gmünd · seit 1904

Einschnitte · 17. Juni 1953

Ein Stein.
Drei Filme.

In Schwäbisch Gmünd erinnert seit Juni 2026 ein Gedenkstein an den Volksaufstand in der DDR: 15.000 Einschnitte, einer für jede Verhaftung. Eine Film-AG auf Zeit des Parler-Gymnasiums hat die Geschichte hinter dem Stein in drei Filmen erzählt. Ein filmischer Nachklang zur Begegnung am 3. Oktober führt die Reportage zu ihrem Abschluss.

Nahaufnahme der Inschrift „Wir wollen freie Menschen sein!“ auf der Längsseite des Gedenksteins; dahinter gehen zwei junge Frauen vorbei.
Der Gedenkstein von Bodo Huber in Schwäbisch Gmünd.Standbild aus „Verletzliche Freiheit“

Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen.

Trailer · 1:11 Minuten

Verletzliche Freiheit

Was bedeutet Freiheit heute?

Archivbilder vom 17. Juni 1953 treffen auf die Fragen junger Menschen. Der Trailer führt zu den beiden Filmen und entstand als Einladung zur Veranstaltung am 3. Oktober 2026.

Auf YouTube ansehen ↗

Feierliche Veranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit

3. Oktober 2026

11 bis 12 Uhr · Prediger, Schwäbisch Gmünd

Dort wurden die Filme öffentlich gezeigt. Schüler des Parler-Gymnasiums gestalteten den Vormittag mit. Der Abschlussfilm hält die Begegnung fest.

„Komm dazu. Bring deine Fragen mit.“

Aus dem Trailer

17. Juni 1953

Menschen fordern
Freiheit.

Als die Staatsführung der DDR höhere Arbeitsleistungen verlangt, legen die Menschen die Arbeit nieder. An über 700 Orten wird daraus ein landesweiter Aufstand.

Es ist der erste Volksaufstand in einem Land des sowjetischen Machtbereichs. Beteiligt sind Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen. Gefordert werden freie Wahlen, der Rücktritt der Regierung, die Freilassung politischer Gefangener und die deutsche Einheit. Sowjetische Truppen schlagen den Aufstand mit Panzern nieder. Tausende werden zu Haft und Zwangsarbeit verurteilt.

„Wir wollen freie Menschen sein!“

Eine der Losungen vom 17. Juni 1953. Sie steht heute als Inschrift auf dem Gmünder Gedenkstein.
  • über 700Orte mit Streiks und Demonstrationen
  • über 1 Mio.Menschen beteiligt
  • 15.000Verhaftungen
  • 55Todesopfer, mindestens

In der Bundesrepublik wird der 17. Juni zum Tag der Deutschen Einheit und bleibt es bis zur Wiedervereinigung 1990. Der Aufstand gilt als ein Vorbote der friedlichen Revolution von 1989.

2026

Gegenüber dem Gmünder Bahnhof

15.000 Mal verletzt.

Der Bildhauer Bodo Huber hat einen liegenden Block aus Diabas gestaltet. In seine Oberfläche sind 15.000 Einschnitte gesetzt, einer für jeden Menschen, der nach dem Aufstand verhaftet wurde. 55 davon sind mit Edelstahl ausgelegt, für die Todesopfer.

Die Einschnitte stehen zugleich für die Verletzungen von Menschenrechten und Lebenswegen. Am 17. Juni 2026 hat Bundespräsident a. D. Dr. Joachim Gauck den Gedenkort eingeweiht.

Nahaufnahme der dunklen Steinoberfläche mit kreuz und quer verlaufenden Einschnitten; einige davon glänzen silbern, sie sind mit Edelstahl ausgelegt.
Die Edelstahl-Einlagen erinnern an die Todesopfer.Standbild aus „15.000 Schicksale“

Die Filme

Zwei Filme.
Zwei Zugänge.

Ein Zeitzeuge und ein Bildhauer erzählen, was hinter den Einschnitten steht. Entstanden sind die Filme in einer Film-AG auf Zeit des Parler-Gymnasiums.

  1. Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen.

    Film I4:14 Minuten

    Ein bleibender Schnitt

    Thomas Letsch erinnert sich

    Nach dem 17. Juni 1953 wird der Vater von Thomas Letsch verhaftet. Jahrzehnte später setzt Letsch für ihn eine Kerbe in den Gedenkstein. Im Film kommt auch Joachim Gauck zu Wort, dessen Vater 1951 verhaftet wurde.

    Auf YouTube ansehen ↗
  2. Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen.

    Film II4:27 Minuten

    15.000 Schicksale

    Ein Stein, 15.000 Mal verletzt

    Der Film begleitet Bodo Huber bei der Arbeit am Stein, vom Block in der Werkstatt bis zur Einweihung am 17. Juni 2026.

    Auf YouTube ansehen ↗

Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen.

Der Nachklang · 3. Oktober 2026 · 1:24 Minuten

Was bleibt

Erinnerung wird Begegnung.

Die Filme kehren zu den Menschen zurück, von denen sie erzählen. Bei der Feier zum Tag der Deutschen Einheit im Prediger treffen ihre Geschichten auf die Fragen und Gedanken junger Menschen.

Musik, Gespräche und gemeinsame Momente schließen den Kreis – vom Gedenkstein zur Frage, wie wir Freiheit heute miteinander gestalten.

Auf YouTube ansehen ↗
Rüdiger Freiherr von Fritsch spricht bei der Einweihung am Rednerpult, umgeben von Publikum und Europa- und Deutschlandflaggen.
Rüdiger Freiherr von Fritsch bei seiner Ansprache am 17. Juni 2026.

Die Initiative

Eine Idee wird zum Gedenkort.

Rüdiger Freiherr von Fritsch initiierte den Gedenkort und trieb seine Verwirklichung maßgeblich voran. Bei der Einweihung sprach er zu den Besuchern. Die künstlerische Gestaltung des Steins übernahm Bodo Huber.

Unterstützer des Denkmals

Ermöglicht wurde das Werk durch die gemeinsame Unterstützung von:

Rotary: Club Schwäbisch Gmünd, Club Schwäbisch Gmünd-Rosenstein und Distrikt 1830.

Bürgerstiftung Schwäbisch Gmünd · Eduard-Dietenberger-Stiftung · Firma Bau-Wolf · Altersgenossenverein 1953 · Gerhard Palme · Rüdiger Freiherr von Fritsch.

Vier Schüler, zwei davon mit Kamera und Kamerastab, stehen nebeneinander in einem hellen Saal; rechts neben ihnen ein Mann im Anzug.
Das Kamerateam am Schluss von „15.000 Schicksale“.Standbild aus dem Film

Hinter der Kamera

Eine Film-AG
auf Zeit.

Kamera, Drohne und 360-Grad-Aufnahmen haben Schüler des Parler-Gymnasiums übernommen. Am Ende von „15.000 Schicksale“ zeigt sich das Kamerateam selbst vor der Kamera.

Wer hinter den Filmen steht
Initiative, Projektleitung, Organisation, Kamera und Schnitt sowie Gestaltung der Multimediareportage und der zugehörigen Webseite
Eduard Losing
Kontakt: Elosing@icloud.com
Drohne und 360°-Kamera
Paul Winter, William Schiebel und Denzel Schiebel
Kamera
Paul Winter und Dominik Bartalovics
Interview mit Thomas Letsch
Dominik Bartalovics
Musik in „15.000 Schicksale“ und „Verletzliche Freiheit“
Miran Özdengiz
Darsteller im Trailer
Mara Szász Menz, Miran Özdengiz, Marina Irdenkauf, Cataleya Lang und Nele Schwarz
Kameravermittlung für „15.000 Schicksale“
Anton Korb vermittelte die Leihgabe der Kamera von Thomas Wallis.
Quellen und Bildnachweise

Die Angaben zum 17. Juni 1953 folgen der Informationstafel am Gmünder Gedenkort. Die Angaben zu den Filmen stammen aus deren Titeltafeln. Recherche: 23. September 2026.

  1. Informationstafel „Gedenkort 17. Juni 1953 · Wir wollen freie Menschen sein!“, Schwäbisch Gmünd.
  2. Remszeitung: Volksaufstand 1953, neues Denkmal in Schwäbisch Gmünd mit 15.000 Schnitten.
  3. Gmünder Tagespost: Gedenkstein zum 17. Juni 1953 in Schwäbisch Gmünd geplant.
  4. Gmünder Tagespost: Gmünder Denkmal für den 17. Juni 1953. Joachim Gauck und sein 13-jähriges Ich.

Bilder

Die Bilder stammen aus den Filmaufnahmen der Film-AG. Die Aufnahme von Rüdiger Freiherr von Fritsch bei seiner Ansprache wurde von Eduard Losing für diese Reportage bereitgestellt.

Archivbilder im Trailer „Verletzliche Freiheit“

  1. Brennendes Columbushaus, Berlin, 17. Juni 1953. Bundesarchiv, Bild 183-20027-0002, Fotograf Peter Heinz Junge. Datei · CC BY-SA 3.0 DE
  2. Sowjetischer Panzer, Berlin, 17. Juni 1953. Bundesarchiv, B 145 Bild-F005191-0040, Fotograf nicht angegeben. Datei · CC BY-SA 3.0 DE
  3. Fäuste vor dem Brandenburger Tor, Berlin, 17. Juni 1953. Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, W 134 Nr. 078683, Fotograf Willy Pragher. Datei · CC BY 4.0